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Wie teuer sind für uns die Reichen!

Die Frage, wie viel „die Reichen“ die Gesellschaft kosten, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten, da das deutsche Steuersystem zwei Gesichter hat: Reiche Menschen zahlen den Großteil der direkten Einkommensteuern, verursachen dem Staat aber gleichzeitig  jährliche Mindereinnahmen im zweistelligen Milliardenbereich durch erhebliche Steuervorteile bei Vermögen, Erbschaften und Kapitalerträgen. 
Hier ist die finanzielle Bilanz aufgeteilt in das, was Reiche beitragen, und das, was sie den Staat durch Privilegien kosten:
Was Reiche den Staat kosten (Steuermindereinnahmen)
Kritiker und Ökonomen beziffern die „Kosten“ der Reichen meist über entgangene Steuereinnahmen, die durch Ausnahmen im Steuerrecht entstehen:
    1. Privilegien bei Firmenerbschaften (ca. 5 Milliarden Euro jährlich):

      Durch weitreichende Verschonungsregeln im Erbschaftsteuerrecht müssen bis zu 88 % der großen Firmenerbinnen und -erben keine Erbschaftsteuer zahlen. Das führt laut Schätzungen allein in diesem Bereich zu Mindereinnahmen von rund 5 Milliarden Euro pro Jahr.

    2. Die fehlende Vermögensteuer (15 bis 25 Milliarden Euro jährlich):

      Die Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Eine moderate Wiedereinführung für Superreiche (z. B. ab 10 Millionen Euro Vermögen) würde dem Staat laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich zwischen 5 und 17 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen einbringen.
    3. Schieflage bei Kapitalerträgen vs. Arbeit:

      Während reguläre Arbeitseinkommen mit bis zu 42 % (Spitzensteuersatz) oder 45 % (Reichensteuer) belastet werden, werden Gewinne aus Aktien, Dividenden und Unternehmensanteilen pauschal mit nur 25 % Kapitalertragsteuer belegt. Dadurch zahlen Multimillionäre, die hauptsächlich von ihrem Vermögen leben, im Verhältnis zu ihrem Gesamteinkommen oft einen deutlich niedrigeren effektiven Steuersatz als eine durchschnittliche Familie der Mittelschicht.
       

Was Reiche der Gesellschaft einbringen (Steueranteil)
Demgegenüber steht die Tatsache, dass Gutverdiener das Fundament der staatlichen Steuereinnahmen bilden:
    • Einkommensteuer:
      Das oberste 1 % der Einkommensbezieher in Deutschland trägt knapp 22 % des gesamten Aufkommens an Einkommensteuer bei. Die oberen 10 % zahlen sogar rund 55 % der gesamten Einkommensteuer.
    • Progressives System:
      Wer mehr verdient, zahlt prozentual mehr. Der Spitzensteuersatz von 42 % greift ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 69.900 Euro, die „Reichensteuer“ von 45 % ab etwa 277.800 Euro.
       

Fazit: Das Ungleichgewicht bei Vermögen

Deutschland gilt international als Hochsteuerland für Arbeit, aber als Steuerparadies für Vermögen. Während Reiche über ihre Einkommensteuer einen sehr großen Teil des Staatshaushalts finanzieren, führt die politische Entscheidung, große Vermögen und Erbschaften kaum zu belasten, dazu, dass dem Staat jährlich schätzungsweise 20 bis 30 Milliarden Euro entgehen, die für Infrastruktur, Bildung oder die Entlastung kleinerer Einkommen genutzt werden könnten.

 

 

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